Alte Familienrezepte, moderne Technik und Spaß an der Arbeit

Das macht die Bäckerei Dischinger aus Wallersdorf seit fast 94 Jahren so beliebt
Neu: ein Holzofen für unvergleichlichen Brotgenuss

Wallersdorf. Er liebt seinen Beruf und macht ihn aus Überzeugung, denn er ist ein Verfechter der traditionellen Backkünste, die sich im unwiderstehlichen Genuss der Backwaren niederschlägt. Christian Dischinger ist Bäckermeister und führt in der vierten Generation das fort, was Kaspar Dischinger am 25. Juni 1912 eröffnete. Eine Familienbäckerei, die für hochwertige Waren steht. Natürlich hat sich seit dem Eröffnungstag viel getan. Moderne Technik hat in der Backstube von Christian Dischinger Einzug gehalten und trotzdem ist es das traditionelle Backen, das mit Zeit und einem hohen Qualitätsstandart verbunden ist, das den Familienbetrieb so erfolgreich macht. Bereits 1949 war in den Räumlichkeiten der Wallersdorfer Füesslgasse auch ein Feinkostgeschäft eingerichtet worden, das bis zum heutigen Tag Bestand hat. Und auch in fünf weiteren Filialen werden die Backwaren angeboten. Nun hat Christian Dischinger einen Holzofen gebaut, in dem seit einigen Wochen das neue Backhäuslbrot seinen unvergleichlichen Geschmack beim Backen erhält. Beim kommenden Marktsonntag können alle Interessierten beim Holzschüren und Brotbacken dabei sein und auch in der Backstube werden Christian Dischinger und sein Team Einblick in die Kunst des Backens geben. Deshalb hat die Landauer Zeitung den Bäckermeister besucht und ihn gefragt, warum er seine Backstube zum traditionellen, zeitaufwendigen Backen zurückführte.

LZ: Sie haben nach Ihrer Lehrzeit viele Erfahrungen im In- und Ausland gesammelt, war es vorprogrammiert, dass Sie eines Tages den Betrieb übernehmen?

Christian Dischinger: Sicherlich haben es sich meine Eltern gewünscht, aber erzwungen wurde nichts. Ich habe mich von klein auf in der Backstube sehr wohlgefühlt, so dass mein Beruf eher ein Hobby, als eine Aufgabe ist. Nach meiner Lehrzeit in Landshut und Gesellenjahren  unter anderem in München, im schweizerischen Sankt Moritz oder auch in Südamerika, hatte ich den festen Wunsch Verantwortung zu übernehmen und meine Ideen einzubringen.

LZ: Haben Sie von ihren Auslandsreisen auch Rezepte mitgebracht, die Sie heute verwenden?

Christian Dischinger: Ja, einige Rezepte, aber auch jede Menge Erfahrungen, die mir keiner mehr nehmen kann und die mich für mein Leben prägten und wichtig waren. Ich weiß jetzt, nach welchen Prinzipien der Backbetrieb unter meiner Führung laufen soll.

LZ: Welche Prinzipien haben Sie?

Christian Dischinger: Wir produzieren Qualität, das heißt wir verwenden fast ausschließlich Butter, verzichten möglichst auf Bachmittel und verwenden keine Teigvormischungen. Vielleicht sind unsere Semmeln nicht so aufgeblasen, wie manch andere, aber dafür hat unsere Semmel 100 Prozent Geschmack. Wissen Sie Luft schmeckt nach nichts und nur die fehlt in unseren Semmeln.

LZ: Gibt es hier unterschiedliche Herstellungsverfahren?

Christian Dischinger: Das wichtigste ist, dass wir den Teigwaren Zeit geben, um Eigengeschmack aufbauen zu können. Was hilft das beste Rezept, wenn der Teig keine Zeit hat durch Enzyme typische Geschmacksstoffe zu entwickeln. Bleiben wir beim Beispiel Semmeln. Ein guter Semmelteig braucht 20 Stunden, dann erst wird die Semmel geschliffen und in den Ofen gesteckt.

LZ: Wie viele Mitarbeiter haben Sie in der Backstube?

Christian Dischinger: Von unseren insgesamt 35 Mitarbeitern arbeiten mit mir acht Leute in der Backstube. Wir sind zwei Meister, zwei Gesellen, zwei Lehrlinge und zwei angelernte Helferinnen, für Spül – und Aufräumarbeiten. Wir produzieren in etwa 20 Sorten Kleingebäck, wie Semmeln und Brezen, 15 Sorten Brot, und jede Menge Plunder, Schnitten und Kuchen. Außerdem haben wir immer sechs Torten im Programm, natürlich erhalten Kunden auf Vorbestellung Torten in verschiedenen Variationen.     

LZ: Was macht die Bäckerei Dischinger in all den Jahrzehnten so erfolgreich?

Christian Dischinger: Es ist wohl das Herzblut und der Spaß am Backen, der in jedem Stück Torte, Brot und Semmeln steckt. Natürlich ist nicht alles Tradition, aber das Zusammenspiel von moderner Technik, Reifezeit, handwerkliches Können, Familienrezepte und neue Kreationen machen uns vielleicht aus. Kein Geschmacksverstärker und kein Backmittel können Zeit und Liebe beim Backen wett machen.

LZ: Nun haben Sie ein neues Produkt, das bei den Kunden besonders gut ankommt, das Backhäuslbrot. Wie kam es dazu ein Holzofenbrot ins Programm zu nehmen?

Christian Dischinger: Holzofenbrot ist ganz etwas besonderes. Hier ist es nicht nur der traditionell hergestellte Natursauerteig, sondern auch die Herausforderung des richtigen Einschürens. Glauben Sie mir, wir haben harte Arbeit geleistet, bis wir die optimale Hitze herausbekommen hatte. Schon allein der Bau war eine Herausforderung. 400 Steine wurden extra geschnitten, um einen typischen Holzofen zu bauen. Ich freue mich, wenn ich am 26. März den Kunden diese Backkunst vorführen kann. Übrigens sind auch Kinder herzlich willkommen, die können sich derweilen in der Hüpfburg austoben. Wird bestimmt ein tolles Fest.

Beim späteren Rundgang durch die Bäckerei wird klar, was Christian Dischinger mit Liebe zum Detail meinte. Jeder Teig, jedes Stück Torte jeder Laib Brot entsteht in einer blitzsauberen Backstube, in der zwar Hightech Einzug gehalten hat, aber auch Raum und Zeit für traditionsreiches Backen ist.

Interview: Angelika Gabor